Afrikanische Schweinepest: Sachsen errichtet Barriere

An der polnisch-sächsischen Grenze wird eine Wildschweinbarriere zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest errichtet. Über die Pläne informierten Gesundheitsministerin Petra Köpping und Landrat Bernd Lange vergangene Woche. Die vom Kabinett gebilligte Entscheidung soll gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz zeitnah umgesetzt werden. Von Norden beginnend werden über die gesamten rund 128 Kilometer elektrobetriebene mit abschreckenden Duftkomponenten versehene Wildschweinabwehrnetze errichtet. Der Freistaat schafft diese Barriere an und kommt für die Kosten von rund 250000 Euro auf. Damit wird der Verlauf der derzeit im Norden Sachsens bei Bad Muskau begonnenen Barriere nach Süden bis Zittau fortgesetzt. Die rechtlichen Voraussetzungen dafür wurden geschaffen. Das Aufstellen der Elektronetze wird von Mitarbeitern der Straßenmeisterei, der Landestalsperrenverwaltung und des Technischen Hilfswerks übernommen.

Staatsministerin Petra Köpping begründet: »Wir wollen keine Möglichkeit ungenutzt lassen, das Risiko zu verringern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Sachsen kommt. Ich danke allen, die sich kurzfristig an der Errichtung des Elektronetzes beteiligen. Und ich danke allen Grundstückseigentümern, dass sie aufgrund der drohenden Schweinepestgefahr die für die Errichtung der Barriere auf ihren Grundstücken nötigen Arbeiten gestatten.« Die Ministerin hatte aber bereits Anfang Januar vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Wildschweinbarrieren könnten keinen völligen Schutz bieten. „Sie ermöglichen es, die Schwarzwildbewegungen zu kontrollieren und stellen damit ein Hilfsmittel dar, um das Risiko eines Eintritts der Afrikanischen Schweinepest durch ein infiziertes Tier zu verringern“, so Köpping.

Landrat Bernd Lange erklärt: »Ich bin dankbar, dass wir mit vereinten Kräften daran arbeiten, einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinpest in unserem Landkreis zu verhindern. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass die Sorgen und Ängste der Menschen vor Ort groß sind. Daher ist es wichtig, dass nun weitere Schritte folgen, ein Erfolg ist für uns die Zustimmung der Bundes- und Landesbehörden zur Aufstellung weiterer Wildschweinbarrieren an der Bundesautobahn 4.«

Eine von mehreren Präventionsmaßnahmen

Die Afrikanische Schweinepest, die für den Menschen ungefährlich ist, rückt derzeit immer näher an Deutschland heran. In Polen wurde in dieser Woche zwölf Kilometer von der Grenze entfernt bei einem toten Wildschwein ein neuer Fall der Tierseuche gemeldet. Bereits Anfang Januar war ein 4,5 Kilometer langer Zaun an einem Grenzabschnitt errichtet worden und damit eine Lücke zwischen der brandenburgischen Grenze, die bereits mit einem Elektronetzzaun versehen ist, und der Umzäunung des Pückler-Parks geschlossen.

Die Errichtung der Wildbarriere entlang der kompletten sächsisch-polnischen Grenze ist eine von mehreren Präventionsmaßnahmen. Viele werden schon seit Jahren angewandt. Das Sozialministerium steht seit 2014 mit allen potenziell Beteiligten, wie Landwirten, Jägern, Landes- und Bundesbehörden, nationalem Referenzlaboratorium, Bauernverband in Kontakt und sensibilisiert und informiert über Maßnahmen zum vorbeugenden Schutz. Es wurden Handreichungen zur Seuchenvorsorge, Merkblätter, Fachveröffentlichungen und Fortbildungsveranstaltungen organisiert und verteilt. Die Landwirte wurden für die Verbesserung der Biosicherheitsmaßnahmen in ihren Betrieben sensibilisiert, informiert und geschult.

Zudem konnten in den letzten drei Jagdjahren die Abschusszahlen für Schwarzwild um etwa 30 Prozent erhöht werden. Das führt zu einem verminderten Infektionsdruck auf die Population. Die Untersuchungskosten für die Trichinenuntersuchungen werden seit zwei Jahren vom Freistaat übernommen. Die Maßnahme wurde aktuell für zwei Jahre verlängert. Jegliches Unfallwild und alle Totfunde werden seit Jahren in der Landesuntersuchungsanstalt auf ASP untersucht. In den letzten Jahren konnten die Untersuchungszahlen deutlich gesteigert werden.

Der Freistaat testet auch regelmäßig seine Krisenstrukturen, letztmalig im Dezember 2019 in einer Übung über vier Tage. Außerdem wird eng mit den polnischen Behörden zusammengearbeitet. Dazu wurde eine deutsch-polnische Taskforce eingerichtet. Vereinbart wurde hier insbesondere eine Abstimmung zu geplanten Jagden und zur Bejagung durch Fallen- oder Einzeljagd, ohne übermäßige Beunruhigung des Wildes. Vor etwa einer Woche überzeugten sich mit dem EUVET-Team der Europäischen Kommission Veterinärexperten, die die Ausbrüche in Tschechien, Belgien und Polen begleiten haben, vom Stand der Präventionsmaßnahmen in Sachsen.

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