Alte Schriften im Museum einer Pfefferküchlerei gefunden

  Mehr als 200.000 Bücher, Handschriften und Karten, die einst der Sächsischen Landesbibliothek gehörten, sind während des Zweiten Weltkrieges verschwunden. Zum Teil wurden sie während des Angriffs auf Dresden 1945 vernichtet, der größere Teil jedoch wurde ab Mai 1945 als Kriegsbeute nach Russland geschafft. Bis heute ist der Verbleib vieler Werke ungeklärt.

Um so erfreulicher ist es, dass 70 Jahre nach Kriegsende jetzt neun wertvolle Schriften aus der Reformationszeit wieder aufgetaucht sind. Sebastian Walther, Direktor des Museums Alte Pfefferküchlerei in Weißenberg bei Bautzen, entdeckte sie zufällig auf dem Dachboden des Museums. Zum Museumsbestand gehörten sie nicht, fündig wurde er dagegen im digitalen Katalog der Kriegsverluste der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB).

Es handelt sich um neun so genannte Predigt- oder Erbauungsschriften aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert.   »Darin finden sich handschriftliche Vermerke, die interessante Einblicke in die Netzwerke der Reformationszeit ermöglichen. Ein Band enthält zum Beispiel eine eigenhändige Widmung von Johannes Bugenhagen, einem der wichtigsten Wegbegleiter Martin Luthers. Ein anderer stammt vermutlich aus der Bibliothek des Rektors der Fürstenschule St. Afra in Meißen, Georg Fabricius«, freut sich Dr. Achim Bonte, Generaldirektor der SLUB.

Rund 7.400 solcher Predigt- und Gebetbücher besaß die Landesbibliothek vor 1945, etwa 24 Prozent  davon gelten als Kriegsverluste. Die in Weißenberg entdeckten Bücher waren mit hoher Wahrscheinlichkeitin Schloss Gröditz nahe Weißenberg ausgelagert. Insgesamt lagerten dort mindestens 268 Kisten aus der Sächsischen Landesbibliothek, darunter Teile der Sammlung Klemperer. 38 Kisten kehrten nicht in die SLB zurück. Ihr Verbleib gilt bis heute als Rätsel. Man nahm an, dass sie nach Russland verbracht worden waren. Allerdings war das Schloss, wie am 3. Januar 1946 festgestellt wurde, zeitweise frei zugänglich, so dass jeder Zugang hatte.

Die Werke, insbesondere die handschriftlichen Vermerke, werden nun digitalisiert und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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