Felsenbühne: Zug zum Zelt

 Bisher gibt es nur eine Grafik, die die Interimsspielstätte der Landesbühnen Sachsen aus der Vogelperspektive zeigt. Das Theaterzelt, wie Intendant  Manuel Schöbel es nennt, erinnert ein wenig an das Trocadero-Zelt von Sarrasani am Elbepark in Dresden. »Dadurch, dass es von außen stabilisiert wird, haben wir im Innern keine störenden Träger«, erklärte Artemis Willms, kaufmännische Geschäftsführerin der Landesbühnen Sachsen. Die »Zwischenlösung« misst 36 Meter im Durchmesser, fasst etwa 600 Besucher und liegt keine 200 Meter vom Bahnhof entfernt. Im Idealfall steigt man in Dresden in die S-Bahn und sitzt 45 Minuten später in der Vorstellung.

„Felsenbühne ist unersetzbar“

Manuel Schöbel weiß natürlich, dass man die Felsenbühne nicht ersetzen kann. Den Ameisenpfad nach Rathen verwaisen lassen, das wollte man aber auch nicht, wie er sagte. Immerhin strömen jedes Jahr rund 60.000 Besucher auf die idyllische Naturbühne im Wehlgrund. Rathens Bürgermeister Thomas Richter jedenfalls freut sich, dass die Theatermacher aus Radebeul eine Lösung gefunden haben und war daran nicht ganz unschuldig.  Man befindet sich immerhin im Landschaftsschutzgebiet, wenige Meter neben der Elbe. Das Genehmigungsprozedere war dementsprechend umfangreich. Auch die Auflagen sind nicht ohne. Im Hochwasser-Fall bleiben nur 48 Stunden Zeit, um das Theaterzelt zurückzubauen. Zudem darf der Spielbetrieb nicht länger als bis 21.30 Uhr gehen.

5 Inszenierungen, 67 Vorstellungen

Die neue Spielstätte stellt aber auch das Ensemble vor eine logistische Herausforderung. Das will insgesamt 67 Vorstellungen zwischen Mai und August zeigen. »Wir können das Zelt natürlich nicht jedes Mal umbauen«, sagte Schöbel. Inzwischen habe man aber einen Dreh gefunden. Start ist am 9. Mai mit der Premiere von Peter Pan. »Kiss me Kate« (Musical), »Der Frosch muss weg« (Kinder-Operette), »Annie Get Your Gun« (Musical) sowie »Pettersson und Findus« (Theater für Kinder) sind weitere Inszenierungen. Wird das Theaterzelt vom Publikum angenommen, dann soll es 2021 an die Elbwiese zurückkehren. »Extrageld für die Zwischenlösung gab es nicht«, sagte Schöbel. Die Kosten würden über Einsparungen im eigenen Haushalt und auf der Felsenbühne kompensiert, schob er hinterher. Dort laufen die Arbeiten nach Plan. »Bisher wurden Gebäude abgerissen bzw. entkernt. Der Wegebau ist fast abgeschlossen«, sagte Felsenbühne-Chef Andreas Gärtner.

Winnetou-Fans müssen nach Radebeul

Noch bis 2022 soll die Anlage umfangreich modernisiert werden. »Wir freuen uns, dass der Umbau nach 64 Jahren in Angriff genommen wurde. Sowohl Darsteller als auch Besucher werden von der neuen Felsenbühne profitieren«, versprach Bürgermeister Thomas Richter.
Übrigens: Wer auf Winnetou nicht verzichten kann, muss dieses Jahr etwas elbabwärts reisen – nach Radebeul. Dort heißt es vom 12. bis 21. Juni »Der Lößnitzgrund ruft«. DEFA-Chefindianer Gojko Mitic kommt auch.

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