»Gebete unterstützen das helfende Herz«

Welchen Stellenwert hat das monatliche Gebetsanliegen des Papstes für einen katholischen Christen?

Einen großen Stellenwert. Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche beschreibt damit wichtige
Anliegen, für die wir als kirchliche Gemeinschaft beten können. An diese größeren Zusammenhänge in der Welt erinnert uns der Papst mit seinem Gebetsanliegen.

Inwieweit wird dieses Gebetsanliegen in Ihrer katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie Calau, Vetschau und Lübbenau berücksichtigt?

Wir berücksichtigen dieses Anliegen des Papstes während des Rosenkranzgebetes am Mittwoch sowie
am Donnerstag in einem Gottesdienst.

Die Ressourcen der Erde zu schützen und sie respektvoll und nachhaltig zu verteilen ist eine sehr große Herausforderung. Inwiefern können Gebete helfen?

Gebete helfen nicht, aber sie unterstützen das helfende Herz. Sie machen wach und offen, denn  Gebete haben immer ein Hoffnungspotential – egal, ob es sich um ein Bittgebet, ein Klagegebet oder um ein Dankgebet handelt. Mit ihnen gibt es eine Perspektive, in und aus der Krise heraus. Nicht
zuletzt ist ein Gebet ein Gespräch mit Gott, aber auch mit den Menschen für die Menschen.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Fehltritt, den wir Menschen bisher im Umgang mit unserer Erde begangen haben?

Die größte, selbst verursachte Herausforderung ist der Umgang mit der Atomenergie. Wir erleben zwar
die wunderbare Chance von Energie, aber auch das zerstörerische Potential. Ich denke an die vielen Sprengköpfe, mit denen sich die Menschheit per Knopfdruck zerstören kann. Auch die Endlagerung der atomaren Produkte sowie das kriminelle Potential hinsichtlich von realen oder digitalen Angriffen auf Atomkraftwerke sehe ich als eine große Herausforderung.

Problematisch betrachte ich auch den Umgang mit sensiblen Dingen wie der Gentechnik. Hier sehe ich
große ethische Herausforderungen, da der Mensch plötzlich den Schlüssel der Welt in der Hand hat.

Wie lässt sich der Wunsch des Papstes »Respekt für die Rohstoffe unseres Planeten« in die Köpfe der Menschen pflanzen, die bisher wenig auf Ressourcenschutz gaben?

Es ist ein schwieriger Umwandlungsprozess. Im Grunde muss sich jeder selbst die Frage stellen,
wie er leben möchte und wie wir als Gemeinschaft leben möchten, damit unsere Nachfahren auch noch
leben können.

Viele haben wahrscheinlich immer noch nicht verstanden, dass sie nach christlichem Verständnis nicht über Gottes Schöpfung stehen, sondern ein Teil von ihr sind und damit auch Verantwortung für diesen
Planeten tragen?

Wer denkt, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist, ohne einen Schöpfergott, der muss sich letztlich vor niemanden verantworten. Christen glauben, dass sie für die Schöpfung Verantwortung
tragen, vor dem Schöpfer.

Haben Christen damit eine besondere Verantwortung im Umgang mit unserem Planeten?

Ganz klar. Wir haben bereits in den 60er Jahren begonnen, Kirche in dieser Weise zu denken und haben nach dem 2. Vatikanischen Konzil den Weg für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung eingeschlagen. In dem Zusammenhang ist auch der ›Club of Rome‹ zu nennen, der sich seit seiner Gründung 1968 für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit engagiert.

Wie kann jeder Einzelne dazu beitragen, abseits von Gebeten, unseren Planeten zu bewahren?

Er kann versuchen, Plaste zu vermeiden, regional zu kaufen, am besten direkt beim Bauern, und so oft es geht, Fahrten zu vermeiden. Er kann aufs Fahrrad umsteigen und den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Es sind ganz banale Dinge. Wir fangen hier in Lübbenau beispielsweise Regenwasser auf, um damit unser Grundstück zu bewässern.

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