Gemeinsam durch den Advent

Ein Jahr vor dem 20. Jubiläum des lebendigen Adventskalenders ist (fast) alles anders. COVID 19 ist da und stellt nahezu die ganze Welt auf den Kopf. Existenzen sind bedroht, Menschen sterben und die Angst ist für viele zum ständigen Begleiter geworden. Braucht es in jenen schweren Zeiten tatsächlich einen Adventskalender? Eine von wenigen Fragen, mit denen sich Torsten Vogel seit Monaten mit Sorgen im Blick beschäftigt. Plötzlich spielt das Rahmenprogramm, das dem Kalendervater im Vorfeld oftmals Kopfzerbrechen bereitete, eine eher untergeordnete Rolle.

Nähe ist auch mit Distanz möglich

Corona verändert eben auch die Prioritäten. Was aber definitiv geblieben ist, und das wohl jetzt umso mehr als in der Vergangenheit: Der Wunsch, den Menschen das gemeinsame Miteinander zu ermöglichen. Denn Nähe ist auch mit Distanz möglich und sei nötiger als je zuvor.

»Ich habe immer wieder gespürt, wie wichtig die Gemeinschaft besonders jetzt geworden ist«, meint der Diakon. Der 54-jährige Familienvater hatte mit seinem Sohn Fritz beim ersten Lockdown jeden Abend am Sorbenbrunnen auf dem Marktplatz ein kleines Konzert gegeben. Die Aktion hatte sich schnell herumgesprochen und zog zahlreiche Zuhörer auf den historischen Platz. Nebenbei auch eine sehr gute Möglichkeit, um Verwandte, Bekannte und Freunde wenigstens aus der Ferne sehen und begrüßen zu können. Natürlich mit Abstand, aber allein das Gefühl, mit und durch Musik verbunden zu sein und Nähe wieder spüren zu können, sei für viele Menschen eine wahre Wohltat gewesen, meint der Diakon aus seinen Erfahrungswerten.

Es sind genau diese Gründe, die Torsten Vogel dazu bewegten, ein neues coronataugliches Konzept für den lebendigen Adventskalender zu planen. War es in der Vergangenheit so, dass sich jeden Tag ein Türchen in einer anderen Einrichtung oder in der Kirche und im benachbarten Luthersaal öffneten, wird sich in diesem Jahr alles in der Johanneskirche abspielen. Hier greift auch das längst vorhandene Hygiene-Konzept, das bereits bei den Gottesdiensten erfolgreich umgesetzt wird. Jeden Tag, außer sonntags, wird es in dem Gotteshaus, das mit zu den ältesten Gebäuden in der Stadt gehört, etwas Besonderes zu sehen und zu hören geben.

Noch sind einige Kalendertürchen frei

Das gemeinschaftliche Singen und der traditionelle Gang zur Fleischerei Sinapius, in der jeden Abend ein Kind eine Figur in die große Weihnachtskrippe im Schaufenster stellen durfte, muss in diesem Jahr leider ausfallen. Innerhalb des täglichen Adventsprogramms, das 18 Uhr mit dem Glockengeläut beginnt, bekommt ein Kind jeden Tag eine Figur überreicht, die es dann mit seinen Eltern am nächsten Tag allein in die älteste Fleischerei Sachsens bringen darf. Es darf und soll (muss aber nicht) auch gemeinsam gesungen werden. Freilich mit Mundschutz und Abstand.

Noch sind nicht alle Türchen vergeben. Zu den Akteuren, die bereits ihr Interesse bekundet haben, gehören unter anderem Christian Völker Kieschnick, ein Waldhornquartett sowie Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh. Der lebendige Adventskalender wird wieder Geschichten schreiben. Nur etwas anders als gewohnt. Schöne, ins Herz gehende, humorvolle, sinnliche Anekdoten in nachdenklich gewordenen Zeiten.

Am 1. Dezember öffnet sich 18 Uhr das erste Türchen in der Johanneskirche. Bitte etwas eher vor Ort sein, damit die Daten der Besucher aufgenommen werden können. Akteure, die ein etwa 30-minütiges Programm gestalten möchten, können sich bei Torsten Vogel telefonisch unter 0171/ 7243965 melden.

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