Letzte Rettung: Stiftung?

Sie waren schlichtweg erschüttert! Als die Mitglieder des Fördervereins »Schloss Schleinitz« vom Stadtratsbeschluss in Nossen erfuhren: »Ihr« Schloss Schleinitz steht zum Verkauf! »Seit mehr als 25 Jahren setzen wir uns für unsere dörfliche Region ein und haben das Schloss erhalten, weiter entwickelt und Pläne für die Zukunft geschmiedet – jetzt soll mit einer Entscheidung aus Nossen alles vorbei sein?«

Das versteht Vereinschef und ehemaliger Bürgermeister von Leuben-Schleinitz Gerhard Doleschal nicht. Er und Bernd Hoffmann von der Bürgerinitiative haben ihre verzwickte Situation zur Mitgliederversammlung des Fördervereins für Heimat und Kultur in der Lommatzscher Pflege noch einmal deutlich gemacht und für Unterstützung zum Erhalt des Schlosses als öffentlich zugängliches Kulturgut geworben. Es fehlt ihnen an den Finanzen für konkrete und langfristige Nutzungskonzepte.

Mögliche Rettung durch Stiftungsgründung

Doch sie wollen sich nicht entmutigen lassen. Zwar kam aus den Rathaus in Nossen das Signal: »Der Verkauf ist beschlossen. Wir lassen die Ausschreibung jetzt bis Ende April laufen.« Man wolle aber schon, dass der Verein weitermachen kann und seine Arbeit gewürdigt wird. Das soll bei der Auswahl des Käufers auf jeden Fall eine Rolle spielen. In diese Überlegungen wurde der Förderverein Schloss Schleinitz aber leider bisher nicht einbezogen.

Jetzt sehen die Mitglieder des Vereins und der Bürgerinitiative eine mögliche Rettung in der Gründung einer Stiftung für das Schloss, die dieses dann finanziell selbstständig betreiben und gestalten müsste. »Dafür wollen wir jetzt Spenden sammeln«, erklärte Bernd Hoffmann, der gemeinsam mit Dr. Christian Lantzsch die Bürgerinitiative direkt nach dem Stadtratsverschluss zum Verkauf, gegründet haben. Nur mit einer gemeinnützigen Stiftung, die ein tragfähiges wirtschaftliches Nutzungskonzept beinhaltet, kann eine Privatisierung aufgehalten werden. Unter diesen Bedingungen besteht seitens der Stadt Nossen die Bereitschaft, das Schlossensemble Schleinitz in eine Stiftung einzubringen.

Das wäre der erste Schritt auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Lösung, die auch das Museum, die Herberge und das Hotel einschließen müsste. Schwerpunkt der Überlegungen im Schlossensemble sind der Aufbau von Kapazitäten für altersgerechtes und betreutes Wohnen, ein Pflegeheim, Wohnungsvermietung und deren Ausbau, Bauernladen für landwirtschaftliche Produkte, Ansiedlung eines landwirtschaftlichen Kompetenzzentrums, Schaffung von Wohnraum für einen Stiftungsmanger und ein Solarkonzept zur Einsparung von Energiekosten. Die Intensivierung und der Ausbau der Schlossgastronomie mit der Jugendherberge sind ein weiterer wichtiger Punkt in der Konzeption. Die Nutzung der Kücheneinrichtung als zentrale Versorgungseinrichtung steht im Mittelpunkt. Die künftige Auslastung des Hotels mit Gästen der Bus-Eventreisen nach Dresden oder Meißen könnte Geschichtsinteressierte und nicht nur diese zur Übernachtung in die Region holen und ihnen das ländliche Flair nahebringen. Auch könnte dadurch die Bewerbung als Hochzeitsort verstärkt werden.

Kein zweites Seußlitz oder Gauernitz

Immerhin habe der Verein bereits ganz andere Sachen geschafft: So wurde aus einer Ruine von 1990 ein nutzbares und ansehnliches Schlossensemble. Im ehemaligen Kornspeicher wurde ein Museum für ländliches Brauchtum eingerichtet und ein Schlosshotel und eine Herberge konnten verpachtet werden. Der Förderverein konnte in den Anfangsjahren als juristische Person ABM-Kräfte beschäftigen und Fördermittel einwerben. Langfristig sollte ein kulturelles Zentrum in der Lommatzscher Pflege entstehen.

Mehr als 8000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten die Vereinmitglieder seit dem in fast jedem Monat, um alles in Ordnung zu halten und weiter zu gestalten. Jetzt sind die Befürchtungen groß. Man wolle auf keinen Fall ein zweites Seußlitz oder Gauernitz werden, deren Schlösser verkauft worden und die jetzt ungenutzt leerstehen und verfallen – ohne, dass der Eigentümer aus fernen Landen eingreift. Auch hier wurden vorher Verträge ausgehandelt, dennoch sind die Eigentumsrechte fast unantastbar.

Auch Petitionen an Landtagspräsident Dr. Rößler, Ministerpräsidenten Kretschmer, Bundestagsabgeordneten Dr. de Maiziere, Landtagsabegeordnete Daniele Kuge und Landrat Arndt Steinbach brachten bisher keinen Erfolg. Ohne handlungsfähige Regierung in Sachsen werden auch keine Entscheidungen getroffen.

Einzig Sachsens Denkmalschutzbehörde und die Landesdirektion Sachsen sprechen sich klar für eine öffentliche Nutzung des Schlosses, als wichtigen historischen Identifikationspunkt der Region aus.

 

Adventskonzert & Kontakt

14.Dezember, 17 Uhr: Adventskonzert in der Hofkapelle mit Werken der Barockzeit.

Eintritt frei, Spende erbeten.

 Förderverein Schloss

Schleinitz: foerderverein@schlossschleinitz.de

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