Stirbt der Grüne Pfeil aus?

 Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich derzeit tagtäglich an der ampelgeregelten Kreuzung Berliner/Löbtauer Straße. Zeigt hier die in der Berliner Straße stehende Ampel Rot, heißt das für viele Autofahrer nicht Anhalten an der Haltelinie, sondern sanftes Durchrollen bis zur Sichtlinie, um bei freier Bahn dann rechts in die Löbtauer Straße einzubiegen. Selbst ein Polizeiauto wurde letzte Woche bei genau diesem Verhalten beobachtet.

Was daran falsch ist? Gleich zwei Dinge! Denn zum Einen schreibt die StVO vor, an einer roten Ampel  an der Haltelinie (und nicht an der Sichtlinie) anzuhalten, auch wenn ein Grüner Pfeil das Rechtsabbiegen erlaubt. Und zweitens? Seit Januar fehlt besagter Grüner Pfeil. Es gibt ihn nicht mehr, nur ein kleiner Bügel neben dem Rotsignal kündet davon, dass hier das Zeichen 720 StVO (offizielle Pfeilbezeichnung) gehangen hat.

21 Grünpfeile abmontiert

Auf Nachfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass seit 2017 insgesamt 21 Grünpfeile dauerhaft entfernt worden seien. Betroffen waren darunter gleich drei Kreuzungsbereiche am Wasaplatz, aber auch die Tharandter/Kesselsdorfer  Straße, wo im Zuge des Umbaus zur Zentralhaltestelle zwei Grünpfeile entfernt wurden. Auch an der Bürgerwiese/Petersburger Straße, am Körnerplatz/Zufahrt Schillerstraße und an der Dohnaer/Zufahrt Tornaer Straße verschwand das besagte Zusatzzeichen mit der Begründung, dass es im Zeitraum von  drei Jahren zwei oder mehr Unfälle gab, bei denen der Grünpfeil ein »unfallbegünstigender Faktor« war.

»Es liegt an den Autofahrern«

Ginge es nach dem Verein Dresden zu Fuß e.V., müssten noch viel mehr Pfeile verschwinden – nämlich überall dort, wo querende Fußgänger und Radfahrer durch abbiegende Autos behindert werden.  »Die Ursache für die Problematik mit den Grünpfeilen liegt darin, dass die Mehrheit aller Autofahrer sich nicht an das vorgeschriebene Verhalten – das  Anhalten vor dem Abbiegen – hält. Viele Autofahrer merken erst nach dem Überfahren der Haltelinie, dass sie aufgrund von Querverkehr nicht abbiegen können. Hinzu kommt, dass an einigen Kreuzungen mit Grünpfeil die Sichtbeziehungen so schlecht sind, dass abbiegende Autofahrer gar keine Möglichkeit haben, alle bevorrechtigten Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu sehen. Und selbst bei guter Sicht sind viele Autofahrer beim Abbiegen auf den bevorrechtigten Kfz-Verkehr fokussiert, wodurch querende Fußgänger schnell übersehen werden«, sagt Matthias Medicus vom Verein.

Weitere Pfeile verschwinden

Während der Dresden zu Fuß e.V.  die beiden Abbiegezeichen an der Weißeritz- in die Magdeburger Straße und in Altnaußlitz in die Saalhausener Straße äußerst kritisch sieht, weiß man im Straßenbauamt der Stadt bereits, welche der aktuell 239 Grünpfeile als nächstes weichen werden: Demontiert werden sollen sie am Knoten Pillnitzer/Steinstraße und Chemnitzer/Würzburger Straße.  

Was den Grünen Pfeil beziehungsweise sein Verschwinden an der Berliner/Einmündung Löbtauer Straße angeht, so ist die Sache mysteriös: Laut Straßenbauamt müsste dort nämlich noch ein Abbiegepfeil hängen. Was aber nicht der Fall ist. Bis Redaktionsschluss war nicht klar, wer den Pfeil wann und warum entfernt hat. Deshalb: Hier unbedingt an der Haltelinie halten – selbst dann, denn Zeichen 720 plötzlich wieder auftauchen sollte.

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